Der Bundesrat
Faktenblatt, 13.06.2025
Worum geht es?
Die EU finanziert sogenannte EU-Förderprogramme für Forschung, Innovation, Bildung, Be-
rufsbildung, Jugend, Sport, Kultur und weitere Bereiche. An diesen können sich unter be-
stimmten Bedingungen auch Nicht-EU-Mitgliedstaaten wie die Schweiz beteiligen.
Nach der Beendigung der Verhandlungen über ein institutionelles Abkommen (InstA) wurde
der Schweiz seit 2021 die Assoziierung an wichtige Kooperationsprogramme in den Bereichen
Bildung, Forschung und Innovation (Horizon-Paket und Erasmus+ 2021–2027) verweigert.
Nun soll sich die Schweiz wieder vollständig an diese EU-Programme assoziieren können.
Grundzüge
Das EU-Programmabkommen (EUPA) bildet den Rechtsrahmen für die Teilnahme der
Schweiz an EU-Programmen. Es umfasst aktuell die Beteiligung an den Programmen Horizon
Europe, Euratom, Digital Europe und an der Forschungsinfrastruktur ITER (zusammengefasst
als Horizon-Paket 2021–2027) sowie an Erasmus+ und EU4Health. Das Abkommen legt aus-
serdem den Grundstein für eine mögliche künftige Teilnahme an anderen EU-Programmen.
Mit jeder Programmgeneration kann die Schweiz neu beurteilen, an welche für Drittstaaten
offene EU-Programme sie sich assoziieren möchte.
Das EUPA besteht aus zwei Teilen: Der allgemeine Teil beinhaltet Bestimmungen, die für alle
EU-Programmbeteiligungen der Schweiz gelten. Die programmspezifischen Bestimmungen
sind in den angehängten Protokollen geregelt. Der allgemeine Teil ist unbefristet, während die
Protokolle in der Regel für jede Programmgeneration neu verhandelt werden müssen, wie dies
bereits in der Vergangenheit der Fall war. Dabei können neue Protokolle hinzukommen, oder
auslaufende werden nicht erneuert.
Umsetzung in der Schweiz
Das EUPA tritt nach der Ratifizierung des Pakets Schweiz-EU in Kraft. Es soll jedoch bereits
nach seiner Unterzeichnung vorläufig angewendet werden. Dies ermöglicht eine Assoziierung
der Schweiz an das Horizon-Paket 2021-2027 rückwirkend ab 2025 (Ausnahme ITER: ab
2026) und an Erasmus+ ab 2027. Eine Beteiligung an EU4Health ist mit dem Inkrafttreten des
Gesundheitsabkommens im Rahmen des Pakets Schweiz-EU vorgesehen.
Forschende und Innovatoren in der Schweiz haben im Rahmen einer Übergangsregelung be-
reits seit Anfang 2025 Zugang zu fast allen Ausschreibungen der Programme Horizon Europe,
Euratom und Digital Europe. Damit sie jedoch bei erfolgreicher Evaluation ihren Anteil an den
Projektkosten von der Europäischen Kommission finanziert erhalten, ist eine rückwirkende As-
soziierung per 1. Januar 2025 notwendig. Um dies sicherzustellen, ist eine Unterzeichnung
des EUPA im November 2025 vorgesehen. Anschliessend wird die Schweiz ihren Pflichtbei-
trag für die Teilnahme am Programmjahr 2025 an die EU überweisen.
Bedeutung für die Schweiz
Die EU-Förderprogramme gehören zu den weltweit renommiertesten Programmen für Bildung,
Forschung und Innovation. Die Beteiligung der Schweiz an den EU-Programmen für For-
schung und Innovation hat eine lange Tradition und trägt seit Jahrzehnten massgeblich zur
Stärkung des europäischen Forschungs- und Innovationsplatzes bei. Die Forschenden und
Innovatoren und Innovatorinnen in der Schweiz haben sich regelmässig erfolgreich um För-
dergelder der EU-Programme beworben. Auch im Bereich der Mobilität und Kooperation in der
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Bildung ist die Förderpolitik der Schweiz durch eine langjährige Zusammenarbeit und Koordi-
nation mit den EU-Bildungsprogrammen geprägt. Mit dem Verhandlungsergebnis kann diese
Zusammenarbeit fortgesetzt und abgesichert werden. Davon profitiert die Schweiz direkt als
Bildungs- und Forschungsplatz sowie indirekt als Wirtschaftsstandort.
Konkret
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Horizon Europe:
Dank Horizon Europe erhalten Forschende sowie Innovatorinnen und
Innovatoren in der Schweiz die einzigartige Chance, mit den klügsten Köpfen zusammen-
zuarbeiten, Fachwissen auszutauschen und sich an wegweisenden Projekten im Bereich
der Spitzenforschung zu beteiligen. So werden im Rahmen von Kooperationsprojekten mit
zahlreichen anderen Ländern, insbesondere in Europa, Lösungen für globale Herausfor-
derungen entwickelt. In Einzelprojekten, wie denjenigen des Europäischen Forschungsrats
(ERC), stellen sich Forschende dem internationalen Wettbewerb und können so exzellente
Forschungsprojekte in die Schweiz holen. Sandrine, Professorin für Mikrobiologie und
Teamleiterin an einer Schweizer Hochschule, hat ein ERC-Stipendium in Höhe von 1 Mil-
lion Franken erhalten. Dieser Betrag ist für ein Projekt vorgesehen, das mikrobielle Sys-
teme in Hausinstallationen untersucht und Vorrichtungen entwickelt, um eine Verunreini-
gung des Trinkwassers durch pathogene Mikroorganismen zu verhindern. Solche Projekte
der Spitzenforschung tragen dazu bei, dass die Schweiz ein attraktiver Forschungs- und
Innovationsstandort bleibt. Die Zusammenarbeit im Rahmen von Horizon Europe gewähr-
leistet, dass sich die Forschung in der Schweiz auf höchstem Niveau bewegt. Die Zusam-
menarbeit ist auch für die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen und die
Schweizer Universitäten von Bedeutung, damit sie ihre Position unter den besten akade-
mischen Institutionen in den internationalen Rankings behaupten können.
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Erasmus+ :
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Für Studierende und Lernende:
Erasmus+ eröffnet Schweizer Studierenden und Ler-
nenden neue Möglichkeiten auf internationaler Ebene. Sie können in verschiedene Kul-
turen eintauchen und bringen neue Ideen in die Schweiz zurück, die hier die Innovation
fördern und beleben. Nehmen wir das Beispiel einer Schweizer Physikstudentin: Dank
des Erasmus+-Programms kann sie ein Semester in Lund (Schweden) studieren. Wäh-
rend des Aufenthalts knüpft sie enge Kontakte mit Expertinnen und Experten aus ganz
Europa, was ihr entscheidende Impulse für ihren weiteren Werdegang gibt. Und ein
16-jähriger Bäckerlehrling aus Giubiasco erhält mit Erasmus+ die Möglichkeit, ein zwei-
monatiges Praktikum in einer handwerklichen Bäckerei in Lyon zu absolvieren. Er per-
fektioniert seine Patisserietechniken, entdeckt lokale Rezepte und verbessert sein
Französisch. Dank des Erasmus+-Stipendiums erhalten die beiden eine finanzielle Un-
terstützung für ihre Reise- und Wohnkosten sowie eine Unterstützung für das tägliche
Leben während ihres Auslandaufenthalts.
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Für Bildungsinstitutionen:
Die HES-SO beteiligt sich an UNITA – Universitas Mon-
tium, einer Hochschulallianz der European Universities Initiative (EUI). Diese zukunfts-
weisenden Kooperationen schaffen die Basis für die europäischen Hochschulen der
Zukunft und sind für die Schweizer Hochschulen strategisch äusserst wichtig. Dank der
Assoziierung an Erasmus+ erhält die HES-SO den Status eines gleichberechtigen
Partners innerhalb der Allianz UNITA und in Erasmus+ allgemein. Sie erhält somit die
Möglichkeit, als Schweizer Hochschule nicht nur an internationalen Kooperationspro-
jekten im Bildungsbereich teilzunehmen, sondern solche auch selbst zu lancieren und
zu koordinieren. Auf diese Weise kann sie eine aktivere Rolle im europäischen Bil-
dungsraum wahrnehmen und vollständig vom Mehrwert der Bildungskooperationen
profitieren.